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Geschichte der Burgkapelle Stein


Die Ortschaft Stein liegt nördlich von Bad Berneck am Rande des Fichtelgebirges, auf halber Höhe oberhalb der gleichnamigen Burganlage. Von hier hat man einen schönen Ausblick auf das Tal der Ölschnitz, das zu den reizvollsten Landschaften Oberfrankens zählt. Wer möchte da vermuten, dass dieses friedliche, romantische Tal dereinst Brennpunkt bedeutender politischer Ereignisse war?

Älteste Felsenburg

Die Geschichte Steins beginnt mit der Burg. Sie ist die älteste nachweisbare Felsenburg des Fichtelgebirges. Stein wurde erstmals 1028 / 40 urkundlich erwähnt. Damals wurden tria loca (drei Ortschaften, oder auch Teile davon) der Bamberger Kirche geschenkt. Zusammen mit Trebgast und Kulmbach vermachte der Walpote Reginold I diese Besitzungen der Kirche. 1100 benennt sich Poppo albus de Steine und Schorgast nach Stein (1128); er gehörte einem edelfreien Geschlecht an, dessen Ansitz die Felsenburg Stein war.

Die Hirschberger

Im Laufe der weiteren Jahrzehnte verfiel die Burg immer mehr. Am 13. Mai 1342 wurde Bischof Leupold von Bamberg von den Hirschbergern zum Lehensherren bestellt. Dies bedeutete, dass der Lehensmann (=Vasall), in diesem Fall die Hirschberger, die Besitzungen zu meist erblichem Besitz erhielt und dafür Gegenleistungen in Form von z. B. Kriegs- und Hofdienst erbringen musste.

Aus dieser Urkunde ist zu schließen, dass Burg Stein vorher durch die Brüder Friedrich und Heilmann von Hirschberg mit Erlaubnis des Bischofs wieder aufgebaut wurde. Der Wiederaufbau der Burg hatte vor allem politische Bedeutung und sollte den Expansionsgelüsten der Burggrafen von Nürnberg, die 1338 / 41 das südlich angrenzende Berneck erworben hatten, Einhalt gebieten.

Die Hirschberger waren jedoch nicht lange Besitzer von Stein. Bereits am 24. 6. 1363 wurde der Besitz an Rüdiger von Sparneck verkauft. Die Gründe dieses Verkaufs sind nicht genau bekannt, aber bereits vorher wurde Schamlesberg und ihre Anteile an Metzlersreuth und Heinersreuth dem Burggrafen von Nürnberg verkauft. Der Verkauf von Stein wird etwas verständlicher, wenn man weiß, dass die Hirschberger zur gleichen Zeit (1361) die Burg in Grünstein neu errichteten und hierfür den Erlös von Stein sicher gut gebrauchen konnten. Außerdem hatten die Hirschberger und die Sparnecker in Getto de Waltstein einen gemeinsamen Urahn. Dieses Geschlecht kam etwa um 1150 ins Land und erbaute sich auf dem Kamme des Fichtelgebirges eine Feste.

Die Sparnecker

Teil der Sparnecker Öffnungsurkunde

Nach dem Verkauf erlebte Stein eine Blüte. Hans von Sparneck ließ die Burg erweitern und eine Kapelle erbauen. 1377 erfolgte die Weihung der Kapelle auf den Namen St. Michael. Noch heute ist am nordöstlichen Rand der Burganlage die Ruine zu sehen. Stein wurde ein Rittergut.

Am 1. Februar 1387 wurde die Burg dem Burggrafen von Nürnberg "geöffnet", was bedeutete, dass dieser das Recht hatte, die Burg Stein für seine Zwecke zu nutzen. Diese Öffnung war für die späteren Schicksale Steins von ausschlaggebender Bedeutung und ist gleichzeitig ein Markstein in der territorialen Entwicklung dieses Gebietes. Drei Generationen (ca. 100 Jahre) später sollte Stein durch Fritz von Sparneck zum Zankapfel zwischen dem Bischof von Bamberg und den Burggrafen von Nürnberg einerseits und den Herzögen von Bayern andererseits werden. Bis 1495 wechselten sich häufig die Besitzverhältnisse: Herzog Otto von Bayern beschuldigte Fritz von Sparneck der Beteiligung bzw. Unterstützung einer Fehde des Karl von Schaumberg gegen den Bayernherzog.

Stein löst einen Krieg aus?

Fritz von Sparneck, der Besitzer der einen Hälfte der Burg Stein, hatte sich an einer Fehde gegen den Bayernherzog Otto beteiligt oder Beihilfe geleistet. Daraufhin nahm der Herzog Stein ein und setzte Fritz von Sparneck gefangen. Um wieder freizukommen, musste Fritz von Sparneck gefangen. Um wieder freizukommen, musste Fritz von Sparneck seinen Anteil dem Herzog verkaufen, der andere Mitbesitzer (Georg von Sparneck) aber seinen Anteil an Stein für 1500 Gulden verpfänden. Herzog Otto von Bayern hatte wahrscheinlich die Absicht Stein zu behalten. Damit wurden aber bischöfliche und markgräfliche Anrechte gefährdet und zwar das Lehensrecht des Bistums und das Öffnungsrecht der Burg von Seiten des Markgrafen. Der Markgraf rechnete sogar mit dem Ausbruch eines Krieges, als er die Burg Neuwallenrode hinsichtlich ihrer Verteidigungsfähigkeit überprüfen ließ.

Nach langen Verhandlungen gelang es dem Markgrafen zunächst den Anteil des Georg von Sparneck vom Bayernherzog zurückzuerwerben. Am 12. Januar 1495 verkauft schließlich Herzog Otto von Bayern auch den einstigen Halbteil des Fritz von Sparneck an die Markgrafen von Brandenburg um 3000 Gulden.

Keine Raubritter in Stein!

Im Hintergrund dieser kurzen, aber turbulenten Zeitspanne drängt sich die Frage auf, inwieweit in Stein Raubritter waren. Obwohl Fritz von Sparneck als streitsüchtig galt und sich gerade in dieser Zeit in permanenter Geldnot befand, ist in keiner der anerkannten Quellen ein Hinweis darüber zu finden. Damit sind die Geschichten, die Ritter hätten von einem der angeblich sehr hohen Burgtürme die in der Nähe verlaufende alte Handelsstraße beobachtete und dann die Reisenen ausgeraubt, der Dichtung zuzuordnen.

Bei Durchsicht der überlieferten Unterlagen kommt man eher zu der Vermutung, die Familie der Sparnecker müßten sehr christlich gewesen sein, denn neben der Errichtung der Kapelle St. Michael in Stein stiftete dieses Geschlecht durch Friedrich von Sparneck zwischen 1475 und 1478 ein kleines Karmelitenkloster in Sparneck.

Der goldene Abendmahlskelch

Als einziges noch vorhandenes Inventar gibt der goldene Abendmahlskelch unserer Burgkapelle noch Zeugnis von der Herrschaft derer von Sparneck. Der Kelch stammt aus einer Nürnberger Goldschmiedewerkstatt und wurde um 1480 hergestellt. Er ist noch heute zu kirchlichen Anlässen in Gebrauch und trägt am Fuße das Sparnecker Wappen. Wurde er von Fritz von Sparneck aufgrund seiner Freilassung aus dem Gefängnis gestiftet?

Die Markgrafen zu Brandenburg werden Besitzer

Die Markgrafen behielten nun die Burg Stein gänzlich für sich und errichteten das markgräfliche Amt Stein. Parallel dazu machte der Bamberger Bischof von seinem Lehensrecht gebrauch und übergab bis 1604 den Sparneckern Stein als Lehen.

Mit der Errichtung des Amtes Stein wurden adelige Amtsleute eingesetzt. 1709 wurde der damals amtierende Amtmann zum Oberamtmann befördert und Stein zugleich Oberamt.

Mit Baßler wurde auch einer der wichtigsten Amtmänner genannt. Ihm wird 1686 die Wiedererrichtung einer Kirche zugeschrieben, wovon u. a. ein Holzbildnis (Epitaph) oberhalb der Kanzeltreppe aufschluss gibt.

Nach Baßler wurde A. Wilhelm von Künßberg als der letzte Oberamtmann eingesetzt. Nach seinem Tode wurde Stein am 15. Juni 1737 vom Oberamt Gefrees übernommen. Das ehemalige Rittergut wurde bereits 1684 aufgelöst, in sechs Teile zerteilt und verkauft an:


den oben genannten Johann Jakob Baßler,
Friedr. Löwel, gewesener Bauvogt,
Hans Wagner zu Schweinsbach
Hans Ackermann und
dessen Sohn,
Hans Stigler zu Lützenreuth.


Kriege und Zerstörung

Dass Stein seit dem Wiederaufbau 1342 durch die oben erwähnten Hirschberger zerstört wurde, ist urkundlich nicht nachweisbar, obwohl manche Auseinandersetzungen in unserem Raum ausgetragen wurden. Denkbar wäre eine Zerstörung durch die Hussiten 1419 / 1430 - 31. In der Chronik von Bad Berneck wird von einer Verwüstung der Burg Wallenrode und der Burg Grünstein berichtet. Der Markgräflerkrieg 1552 - 1554 ging sicher nicht spurlos an Stein vorüber. Die Markgräflertruppen "hausten schlimmer als die Türken" und brandschatzten Marktschorgast. Dagegen ist in einem Originalschreiben an den Markgrafen G. Friedrich lediglich von Bauschäden am Schloss und den Wirtschaftsgebäuden berichtet, was den Schluss zulässt, dass sich Burg Stein unmittelbar nach 1553 in gutem Zustand befand. Über Zerstörungen durch die Böhmeneinfälle und die Bauernkriege ist in Bezug auf Stein nichts vermerkt. Auch im Dreißigjährigen Krieg scheint die Burg durch Kriegseinwirkung wenig gelitten zu haben. Am 12. März 1640 sind nach dem Kirchenbuch der Stadt Gefrees die Schweden eingefallen. Pfarrer Reinel flüchtete nach Stein und blieb dort bis zum 14. September. Während der Zeit seines Exils wurden sieben Kinder in Stein (oder im Verborgenen) getauft. Eine Besichtigung im Jahre 1669, 21 Jahre nach Beendigung des 30jährigen Krieges, lässt darauf schließen, dass die gesamte Anlage wohl im schlechten Bauzustand, aber keineswegs ernstlich zerstört war.

Stein verliert seine politische Bedeutung

Nach dem Verkauf der Ländereien ging die Burg rasch ihrem Verfall entgegen. 1717 heißt es über Stein: "... hat eine Kirche in dem alten demolierten Schlosse ...". An anderer Stelle lesen wir: "Stein, ein altes ödes Schloss samt einem Stall". Als eine der letzten Bestandsaufnahme gelten die Ruinenzeichnungen des Kartographen J. Christoph Stierlein, der im Auftrag des Markgrafen viele solcher alten Anlage im Maßstab 1:32000 genau dokumentierte. Daneben gibt es noch eine Beschreibung des Hofers Helfrecht aus dem Jahre 1795.

Mit der Angliederung an das Amt Gefrees fand die Selbstständigkeit des Dorfes ein Ende und Stein geriet geschichtlich in Vergessenheit. Nur noch einmal kam der kleine Ort auf kommunalpolitischer Ebene in die Schlagzeilen: Am 7. 12. 1924 wurde der Steiner Johann Kolb zum Bürgermeister der Gesamtgemeinde Lützenreuth-Stein gewählt. Seine Amtszeit dauerte jedoch nur etwa ein Jahr, bis zur nächsten außerordentlichen Neuwahl.

Das Armutshaus

Im noch existierenden Kassenbuch der "Ortsgemeinde Stein", angelegt am 18. März 1882, kann die Geschichte des Armutshauses bis zu diesem Termin zurückverfolgt werden. Gegen ein geringes Entgelt konnten darin sozial schwache Familien günstig wohnen. Darüberhinaus gewährten die Steiner den Bedürftigen auch mehrmals im Jahr freie Kost. Die Größe der einzelnen Anwesen bestimmte die Anzahl der aufzunehmenden "Kostgänger". Am 22. April 1904 kam diesem rührigen Bemühen der Steiner ein Vermächtnis des Privaties Hans Müller aus Bad Berneck zur Hilfe. Nach seinem Ableben vermachte er der Ortsgemeinde testamentarisch 5000 Mark in Sächsischer Rente. "Die Zinsen davon sind bestimmt, alljährlich am 8. Dezember an die Ortsarmen in Stein verteilt zu werden". In die Amtszeit des o. a. Johann Kolb fiel auch die Neuerrichtung des Armutshauses. Dieses Häuschen stand unterhalb der Burgkapelle, musste allerdings dem neuen Zufahrtsweg weichen.

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Latest Update: 2004-07-11